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Donnerstag, 18.07.2013        Wetter: Regen

 

Wir werden von einem bekannten Geräusch geweckt. Regen prasselt auf’s Dach. Mist! Es schüttet ununterbrochen. Was sollen wir da noch hier? Weiter geht’s  nach Bolungarvik, dem nördlichsten Punktunserer Reise. Standortbestimmung per Navi:


 Länge: 23° 14" 53` W      
Breite: 66° 09" 42`N


Die Temperatur beträgt sage und schreibe 4 Grad. Es bringt absolut nichts, bei diesem Wetter auszusteigen, also fahren wir auf derselben Strecke zurück nach Isafjördur. Dort buchen wir im Info-Center eine Fähre für Samstag. Sie wird uns von Brjanslaekur nach Stykkisholmur befördern. Bevor es soweit ist, liegen noch 2 Übernachtungen vor uns. Den 1. Campingplatz erreichen wir nach ca. 80 kmFahrt. Er befindet sich in dem kleinen Fischerdörfchen Pingeyri. Hier ist absolut tote Hose; da ist selbst auf dem Friedhof mehr los. Wir nutzen die Zeit für allgemeine Hausarbeiten wie Betten beziehen, Klamotten waschen, Auskehren usw. Zum Mittag gibt es die Reste vom gestrigen Eintopf, dazu in der Pfanne geröstetes Brot. Geröstet schmeckt es gut, sonst kann man es vergessen.

Gleich neben dem Campingplatz befindet sich ein Schwimmbad. Das werden wir später aufsuchen. Zunächst steht eine Ortsbesichtigung auf dem Programm. Viel gibt es nicht zu sehen. Was will man auch bei 300 Einwohnern erwarten? Ein Cafè, einHotel, ein Schwimmbad, ein Campingplatz, eine Bank, eine Post, eine Tankstelle und ein paar Wohnhäuser In grauer Vorzeit war Pingeyri eine Thingstätte und hatte somit eine gewisse Bedeutung. Heute leben die Menschen hier vom Fischfang und vom Tourismus.

 

 

 

Das Schwimmen findet in der Halle statt. Leider gibt es kein Outdoor-Becken. Wir verbringen zwei Stunden im Bad. Im größeren Becken ist das Wasser so temperiert, dass man tatsächlich schwimmen kann, ohne einen Herzkasper zu kriegen. Das kleinere Becken ist als Suhle angelegt und dient nur zur Entspannung.

Es schüttet immer noch wie aus Eimern. Außerdem ist Nebel in’s Tal gezogen. Bei dieser Witterung macht man es sich am besten im Mobil gemütlich. Bei einer Tasse Tee schauen wir sehnsüchtig aus dem Fenster und müssen leider feststellen, dass von der viel gerühmten Schönheit der Westfjorde nichts mehr zu sehen ist.

Planung für die nächsten Tage, relaxen, früh schlafen gehen. 

 

Freitag, 19.07.2013   Wetter: Regen

Island-Wetter: nass und kalt. Das ist gar nicht lustig, weil heute eine schwierige Strecke vor uns liegt. Wir müssen 70 km Gravelroad bewältigen.

 

 

Es geht über 5 Pässe, z.T. mehr als 500 m hoch. Die Sicht ist gleich Null. Zum Beginn entpuppt sich die Schotterstraße als schmierige Lehmpiste. Nur nicht in’s Rutschen kommen. Wir schicken mehrere Stoßgebete zum Himmel. Gott sei Dank gibt es nur wenig Gegenverkehr.

 

 

Alles geht gut! Uns fällt ein Stein vom Herzen, als wir das Tagesziel wohlbehalten erreichen.

 

 

Der erste Weg führt zu einer Tankstelle, wo wir das Wohnmobil abspritzen. Das ist total verdreckt.

 

 

In dem Örtchen, wo der Campingplatz liegt, ist der Hund begraben. Es gibt so gut wie nix, nur 1 Hotel und 1 Kiosk, aber der ist geschlossen. Was tun? Wir entschließen uns zur Weiterfahrt nach Brjanslaekur, von wo die Fähre Baldur nach Stykkisholmur übersetzt. Das stellt sich als gute Maßnahme heraus, weil wir im Buchungsbüro unsere geplante Überfahrt für Samstag auf heute Abend, 19.00 Uhr vorverlegen können. Die Fähre wird 3 Stunden unterwegs sein und kostet 140.-- €( 2 Personen, 1 Wohnmobil).

Mittagessen auf dem Parkplatz im Womo. Eine leichte Wetterbesserung kündigt sich an. Es regnet nicht mehr so heftig. Ein Spaziergang ist möglich. Auf einem Hügel in Sichtweite steht eine kleine Kirche. Leider sind die Türen verschlossen. Wenigstens der Friedhof ist begehbar. Man findet dort Gräber aus dem 18.Jahrhundert bis in die heutige Zeit. So mancher Grabstein erzählt uns seine eigene Geschichte.

Zurück zum Wohnmobil und die Wartezeit mit Tagebucheintragungen und Lesen überbrücken. Die Fähre legt pünktlich an und ab. Abendessen auf dem Kutter. Es gibt Fish & Chips, Fastfood per excellence.

Nach 3 Stunden sind wir am Ziel, in Stykkisholmur. Es ist nur eine kurze Fahrt zum Campingplatz. Ein Schlummertrunk in unserem rollenden Heim, ein paar Seiten vom Island-Krimilesen, dann ist der Tag endgültig gelaufen.

 

 

Samstag, 20.07.2013  Wetter: grau in grau

Nach Verlassen des Campingplatzes kaufen wir bei Bonus, der bekanntesten Supermarktkette, ein. Danach starten wir zur Umrundung der Halbinsel Snaefellsnes. Wir legen öfter kleine Pausen ein, um Sehenswürdigkeiten am Rande anzuschauen.

Auf der Nordseite verläuft die Straße entlang der Küste, die immer wieder von  malerischen Fjorden eingeschnitten ist. Ihre Steilwände sind Brutgebiet für Tausende von Seevögeln. Bei Hellisandur findet man etliche „Fischburgen“, aus Lavasteinen aufgeschichtete alte Verstecke. Hierwurde der Fisch gelagert und vor Piraten gesichert. In der Nähe liegt die Quelle Irokra Brunnur. Die Knochen eines Walschädels markieren den Eingang zum Erdloch. Eine schmale Treppe aus abgewetzten Steinen führt hinunter. Außer weiteren, vom Licht gebleichten Walknochen gab es nichts zu sehen.

Den westlichen Teil der Halbinsel dominiert der sagenumwobene Gletscher Snaefellsjökull,1446 m hoch. Leider liegt der obere Teil in den Wolken. Im südlich gelegenen Arnastapi (Adlerfelsen) legen wir eine Pause ein. Der kleine Ort ist eine wahre Augenweide. Er bietet kleine, geduckte Häuser inmitten saftig grüner Wiesen, Basaltsäulen unweit vom Meer, Steilklippen, Vogelfelsen u.v.m.  Ein steinerner Riese, geschaffen von dem Künstler Ragnar  Kjartansson, wacht über das Gebiet.  

 

 

Um die Skulptur aus aufgeschichteten Lavasteinen rankt sich folgende Legende: Baldur soll halb Mensch, halb Riese gewesen sein. Um seine Tochter Helga zu rächen, die auf einem Eisberg ausgesetzt wurde, tötete er den Übeltäter und dessen Bruder. Danach verschwand er selbst für immer unter der Eiskappe des Snaefellsjökull.

Ein Trampelpfad führt vom Riesen Baldur zu den Steilklippen. Von dort kann man sehr gut die Vögel auf den vorgelagerten Felsen beobachten.

 

 

 

 

Wie gern würden wir eine Wanderung von hier nach Hellnar machen, 2 ½ km entlang der Steilküste. Aber das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung. Regen und schlechte Sichtlassen das nicht zu. Also fahren wir weiter. Die Strecke führt durch riesige Lavafelder mit abwechslungsreicher Pflanzenwelt. Grünes Gras und gelbliches Moos lassen ein buntes Bild entstehen. Gegen Ende der Tagesetappe fahren wir durch ein Moorgebiet. Auf einem Campingplatz in Borganes ist endgültig Schluss für heute. Gut 200 km liegen hinter uns.

Geplant war ein Spaziergang in den Ort, aber ein neuerlicher Regenschauer bringt uns davon ab. Keine Aussicht auf Wetteränderung. Also gilt das übliche Programm: Reisebericht schreiben, Bilder am PC bearbeiten und lesen.

Sonntag,21.07.2013   Wetter: trüb, später sonnig und warm

Der Kassierer erscheint schon um 07.00 Uhr früh auf dem Campinggelände. Wer noch schläft, findet später eine Rechnung unter dem Scheibenwischer. Die kann er im einzigen Hotel des Ortes bezahlen. Wir lassen uns Zeit mit dem Aufbruch. Dunkle Wolken am Himmel. Sieht nicht besonders Vertrauen erweckend aus.

Bevor wir Borganes verlassen, schauen wir uns den Ort an. In einem alten Lagerhausist das „Settlement Centre“ untergebracht. Es zeigt die Entdeckung und Besiedelung Islands durch die Wikinger. Sicherlich interessant, doch uns steht der Sinn momentan nicht nach einem Besuch im Museum.

Am Borgarfjördur schauen wir uns eine Figur aus Edelstahl an. Ausgebreitete Schwingen sollen den Schutz einer Mutter über ihren Sohn darstellen.

 

 

 

Auch zu diesem Kunstwerk gibt es eine Legende, aber das würde zu weit führen. Auf zu neuen Ufern.

Wir wollen den Vulkankrater Gräbrök besteigen. Er ist vor ca. 3.000 Jahren entstanden und liegt am Rande unserer heutigen Tagesetappe. Der Himmel klart auf, und es spricht nichts gegen diese geplante Unternehmung. Eine hölzerne Treppe führt den steilen Lavahang hinauf. Sozusagen ein Krater für Senioren. Oben angekommen, wehr ein stürmischer Wind, und beim Rundgang halte ich mich tunlichst vom Kraterrand fern. Nach dem Abstieg essen wir im Womo einen Snack.

 

 

 

 

 

Sozusagen ein Krater für Senioren. Oben angekommen, wehr ein stürmischer Wind, und beim Rundgang halte ich mich tunlichst vom Kraterrand fern. Nach dem Abstieg essen wir im Womo einen Snack.

 

Dann machen wir uns erneut auf den Weg. Wir fahren ein paar km zurück auf der Ringstraße, biegen dann auf die 50 nach Reykholt ein. Der Ort ist u.a. bekannt durch Snorri Sturluson, der im 12. Jahrhundert Gesetzessprecher war und somit das wichtigste Amt im Staate bekleidete. Nachdem er durch 2 Heiraten sehr wohlhabend geworden war, widmete er sich der Schriftstellerei. Kopien seiner Werke sind in der Snorrastofa, dem Landesmuseum, ausgestellt. Er wurde 1241 ermordet. Wir bewundern seine Bronzestatue und schauen uns die kleine Holzkirche aus dem 19. Jahrhundert an.

 

 

 

Der Friedhof neben der Kirche legt mit seinen verwitterten Grabsteinen Zeugnis aus längst vergangener Zeit ab.  Die neue Kirche, 1996 erbaut, fällt durch ihren schlanken Turm in’s Auge. Sie ist das weithin sichtbare Wahrzeichen des Ortes.

 

 

 

 

Unser nächstes Ziel sind die Wasserfälle Hraunfossar. Doch als wir zu dem überfüllten Parkplatz kommen, drehen wir gleich wieder um. Wir hatten völlig vergessen, dass heute Sonntag ist. Da sind auch viele Einheimische unterwegs. Wir beschließen, schon jetzt den Campingplatz in Husafell aufzusuchen und morgen zu den Wasserfällen zu fahren. Diesen Entschluss sollten wir nicht bereuen, zumal die Sonne sich zeigt und Wärme mit sich bringt. Bis 21.00 Uhr haben wir jeden Sonnenstrahl vor dem Wohnmobil ausgekostet. Dann wurde es schlagartig kühl. Aber diese Stunden kann uns keiner mehr nehmen.

Aus klang des Abends im Wohnmobil mit den üblichen Tätigkeiten.

 

 

 

MITTERNACHT

 

Montag, 22.07.2013   Wetter:grau in grau, nachmittags Sonne

Heute geht es auf demselben Weg zurück bis Borganes und ein Stück darüber hinaus nach Akranes. Zuerst schauen wir uns die Hraunfossar an, die „Lavawasserfälle“. Auf einer Breite von 1 km quellen unzählige kleine Wasserfälle aus einem Lavafeld und ergießen sich in den Fluss Hvita. Das ist kein Anblick, der einen umhaut, aber doch lohnenswert, vor allem durch die schön angelegten Wanderwege entlang der Wasserfälle. Weiter geht’s an Reykholt vorbei bis Borganes. Einkauf im Supermarkt ist fällig. Anschließend trinken wir einen Cappuccino im Cafè. So gestärkt und mit Lebensmitteln ausreichend versorgt, fahren wir dem Tageszielentgegen. In Akranes Stopp beim Info-Center. Erkundungsgang durch die Straßen der Stadt bis zum alten und neuen Leuchtturm am Lambhussa-Sund. Auch hier steht eine moderne Skulptur aus Edelstahl, die an ein Schiffsunglück erinnert, beidem die Besatzung um’s Leben kam.

 

 

 

Nach Rückkehr zum Wohnmobil fahren wir zum Campingplatz. Es ist früher Nachmittag. Die Sonne lugt zwischen den Wolkenhervor. Ideales Wetter zum Grillen. Die Lammkoteletts liegen im Kühlschrankbereit. Doch zuerst ist Teatime angesagt. Danach sehen wir weiter. Was  sagt der Plan? Eine Wanderung entlang der Steilküste, ausgerüstet mit Fernglas und Fotoapparat.  Auf einem schmalen Trampelpfad laufen wir am Fjord entlang. Dabei beobachten und fotografieren wir viele Seevögel.

 

 

Nach Rückkehr von der Küstenwanderung bereiten wir das Abendessen vor. Der Grill wird angeworfen und der Tisch im Freien gedeckt. Zu den Lammkoteletts gibt es Bratkartoffeln aus der Eisenpfanne. Es schmeckt fantastisch. Auch das Bier, Pils gemischt mit Malzbier, passt perfekt dazu. Gegen 20.00 Uhr wird es sehr kühl. Uns bleibt nur der Rückzug in’s Wohnmobil. Beim Studium der Reiseunterlagen, weiterer Planung und Arbeiten am PC lassen wir den Tag ausklingen.

 

 

Wir hatten das Glück, einen wunderschönen Sonnenuntergang beobachten zu können.Mandus lag mit der Kamera auf der Lauer und hat die einzelnen Abschnitte eingefangen.

 

 

Dienstag, 23.07.2013 Sonne!

Es gibt sie tatsächlich noch, die liebe Sonne, und sie weckt uns schon früh am Morgen. Bevor wir Akranes verlassen, schauen wir noch beim Volkskundemuseum vorbei. Dort steht vor dem Gebäude der Küstensegler „Sigurfari“, der 1885 in England aus Eichenholz gebaut wurde. Mit seinen 86 Tonnen macht er einen imposanten Eindruck. Das Schiff wurde seinerzeit im Warenverkehr über den Atlantikeingesetzt.

Nun fahren wir über die 51 zum Hvalfjord. Den umrunden wir vollständig und erreichen zur Mittagszeit die Hauptstadt Reykjavik (Rauchbucht). Der Campingplatz liegt fast zentral, gleich neben dem Schwimmbad. Wir richten uns häuslich ein, stellen Tisch und Stühle raus, essen eine Kleinigkeit und genießen ganz einfach die Sonne.

Am Nachmittag fahren wir mit den Rädern in die City. Zum ersten Mal auf der Islandreisewerden die Bikes eingesetzt. Ausgerüstet mit einem Stadtplan, fahren und laufen wir die Sehenswürdigkeiten ab. Besonders zu erwähnen ist die Hallgrimskirkja, die auf einem Hügel im Ostteil der Stadt steht. Für den Bau, der 1947 begann, wurden heimische Materialien verwendet. 1986 konnte die Kirche dann eingeweiht werden, gerade noch rechtzeitig zur 200-Jahr-Feier der Stadt. Die Außenfassade mit ihren geometrisch angeordneten Basaltsäulen ist ein echter Hingucker. Insgesamt soll die Hallgrimskirkja die Landschaft Islands symbolisieren.

 

 

 

 

 

 

Reykjavikhat mehr als 200.000 Einwohner, ca. 65 % des ganzen Landes. Hier ist echt was los, zumal die vielen Touristen aus aller Herren Länder für buntes Leben und Treiben sorgen. Die Straßen sind voller Menschen, die Cafès stark frequentiert und die Läden gut besucht. Abends essen wir eine isländische Spezialität: Hamburger & French Fries. Aber mal im Ernst, die Isländer lieben Fast Food über alles. Nach dem Essen treten wir wieder kräftig in die Pedalen. Es geht flott zurück zum Campingplatz. Ein paar Sonnenstrahlen können wir noch vor dem Mobil genießen, bis es schlagartig kühl wird.

 

 

 

 

 

In der Rezeption gibt es freien Internetzugang. Das ist eine gute Möglichkeit, Kontakt mit der Außenwelt aufzunehmen. Diesen Gedanken hatten auch viele andere Camper, so dass ein ziemliches Gedränge herrscht.

Tagesausklang mit einem Schlückchen Alkohol aus der Dose.

 

Mittwoch, 24.07.2013            Wetter: Sonne

Gegen 11.00 Uhr bricht die Sonne durch die Wolken. Sofort ist es angenehm warm. Der Campingplatz ist ziemlich groß. Es gibt mehrere Rasenflächen für Zelte und Wohnmobile, bzw. Wohnwagen. Die sanitären Einrichtungen sind okay. Außerdem gilt hier eine Besonderheit. Vor der Rezeption steht ein geräumiges Regal mit allerlei Krimskrams. Den lassen die Touris zurück, die mit dem Flieger in die Heimat düsen. Jeder kann sich nehmen, was er benötigt. Das fängt beim Klopapier an über Pullover, ausgelatschte Wanderschuhe, Regenbekleidung, Handtücher, Jacken, Lebensmittel u.v.m. Wir haben z.B. Grillkohle aus dem Regal genommen.

Vormittags relaxen wirauf der grünen Wiese vor dem Mobil. Mittagessen findet ebenfalls im Freienstatt. Gegen 14.00 Uhr zieht es uns wieder in die City. Im angesagtesten Cafè,dem Kaffi Paris, findet man nur mit viel Glück einen freien Platz. Das Glück ist uns hold, aber es reicht nur zum Sitzen. Der bestellte Cappuccino kam nicht an Land. Die Kellnerin hatte vollkommen den Durchblick verloren. So sind wir nach einer geraumen Zeit weitergezogen und haben in einem hübschen Cafè amTörnin, Reykjaviks Stadtsee, nicht nur Platz gefunden, sondern auch einen Cappucino serviert bekommen. In der Nähe befindet sich das Rathaus. Im Foyerist eine Reliefkarte von Island ausgestellt. Sie vermittelt einen guten Überblick über die geologische Struktur der Insel. Außerdem haben wir uns eine Bücher-Ausstellung angesehen. Ein ganzer Schrank voller Bücher in deutscher Sprache, am liebsten hätte ich eines mitgenommen, aber ich habe mich beherrscht.

 

 

Ein Besuch der „Perle“ ist Pflicht bei einem Stadtbummel. Hierbei handelt es sich um ein Gebäude aus Stahl und reflektierendem Glas. Es ist mehr als ein Konferenz-und Freizeitkomplex, gleichzeitig ist es ein riesiges Reservoir an geothermaler Energie, das Reykjavik und seine Umgebung versorgt. Für die architektonische Meisterleistung lieferten 6 europäische Länder und die USA Island das Baumaterial und die technische Ausstattung.

 

 

 

 

 

 

 

Am Spätnachmittag radeln wir zum Volcano House. Hier finden täglich Filmvorführungen über isländische Vulkanausbrüche statt. Der Mann, der diese Ausbrüche gefilmt und dokumentiert hat, ist persönlich anwesend und hält eine kurze Einführungsrede. Zwei Stunden sitzen wir im Vorführraum und schauen uns das Schauspiel an. Großartige Aufnahmen, oft unter Lebensgefahr gemacht. Osvaldur Knudsen zeigt uns sein spektakuläres Filmmaterial der letzten 40 Jahre. Darunter ist auch die Evakuierung von 5.000 Menschen zu sehen, als 1973 der Vulkan Eldfell auf der Insel Heimaey ausbrach.

Zum Abschluss des Stadtbummels schlendern wir nochmals durch den Hafen. Am ViewPoint schauen wir den Anglern zu, die tatsächlich mehrere Fische an Landziehen. Gegen 21.00 Uhr sind wir wieder am Campingplatz. Abendessen, Faulenziabis zum Abwinken.

 

 

Donnerstag,25.07.2013     Wetter: Sonne/Wolken

Wer rastet, der rostet, sagt ein altes Sprichwort. Also geht es weiter on Tour. Wir umrunden die Halbinsel Reykjanes mit dem Zwischenziel „Blaue Lagune“ in Grindavik, dem bekanntesten Naturbad Islands. Die Straße führt durchausgedehnte Lavafelder. Auch die Lagune liegt mittendrin. Die Lava hat sich teils zu bizarren Formationen aufgetürmt. Ein Anblick, den man nicht alle Tage zu sehen bekommt. Das Kraftwerk Svartsengi fördert aus 2 km Tiefe mineralhaltiges Wasser von 240 Grad Celsius Temperatur. Es wird zum beheizen der umliegenden Ortschaften und des Flughafens genutzt. Außerdem erzeugt man aus dem Wasserdampf Strom. Das noch 70 Grad heiße Wasser (der Rücklauf aus der Heizung, also eigentlich "Abwasser")sammelt sich in der Blauen Lagune. Das Bad selbst ist wunderschön angelegt, das Wasser ist nicht blau, sondern milchig trübe und sehr warm. Es ist von Natur aus angereichert mit Kieselerde, Salz und Algen. Der Boden des Gewässers besteht teilweise aus feinem Muschel-Sand und heilsamem Mineralschlamm. Den verteilt man großzügig im Gesicht und lässt ihn trocknen.  Eine Wellness-Variante der Extraklasse. Wir verbringen ca. 4 Stunden in der Anlage. Alles ist bestens, nur der Preis ist übertrieben mit 40.-- €  pro Person. Aber der Schuppen ist voll! Wir haben uns in einer Sonnenpause ein Magnum gegönnt. Auch dafür gelten sensationelle Preise, nämlich 11.40 € für 2 Stangeneis. Das ist doch der Wahnsinn! Aber egal. Hier wird wieder einmal deutlich, dass Island kein Billigland ist.

 

 

 

 

 

 

 

Bevor wir den Ort Grindavik verlassen, der schon im Mittelalter ein bedeutendes Handelszentrum war, tätigen wir einen Großeinkauf im Supermarkt. Fleisch, Obst,Gemüse, Getränke, Brot, Kekse, alles, was der Mensch so braucht.

Unser heutiges Ziel liegt 15 km nördlich von Reykjavik, das heißt, wir fahren erstmal zurück. In dem kleinen Städtchen Mosfellbaer ist Schluss. 150 km liegenhinter uns, das reicht.

Nach demAbendessen unternehmen wir einen Spaziergang. Inzwischen ist es sehr kühlgeworden. Winteranorak und Mütze kommen zum Einsatz.

Die restlichen Abendstunden verbringen wir ganz gemütlich im Wohnmobil.

 

 

 

Freitag, 26.07.2013     Wetter: Nebel/Sonne

Durch eine dichte Nebelsuppe fahren wir nach Pingvellir, einem sehrgeschichtsträchtigen Gebiet im sogenannten Golden Circle. Die altisländischeThingstätte – „Ebene der Volksversammlung“ - liegt auf einer Hochebene. Das 27km² große Areal steht seit 1928 unter Naturschutz. Es handelt sich um den ältesten Nationalpark Islands und gehört heute zum Unesco-Weltkulturerbe.

 

 

 

 

 

 

 

 

Pingvellir war 9 Jahrhunderte lang (von 930 bis 1789)  Regierungssitz. Es liegt in der aktivenVulkanzone Islands. Hier driften am mittelatlantischen Rücken die nordamerikanische und die europäische Lithosphärenplatte langsam auseinander.Das ist gut zu erkennen an den aufgerissenen Spalten der Almannagja(„Allmännerschlucht“).

 

 

 

 

 

 

 

 

Das erste Alping fand im Jahre 930 statt. Hier wurden Streitigkeiten geschlichtet, Gesetze erlassen, Recht gesprochen und Urteile gefällt. Auf den alljährlichen Versammlungen wurden auch sportliche Wettkämpfe ausgetragen, Handel getrieben und Hochzeiten angebahnt. Man konnte Verwandte und Freunde treffen und Neuigkeiten austauschen. Den Vorsitz beim Alping hatte der Gesetzessprecher, der für jeweils 3 Jahre gewählt wurde. Bis zum Jahre 1118 trug er ein Drittel aller Gesetze auswendig vor. Dabei stand er auf dem Lögberg, dem sogenannten Gesetzesfelsen. Danach wurden die Gesetze schriftlich festgehalten. Auf dem Lögberg weht noch heute ständig die isländische Nationalflagge. Alle wichtigen Staatsfeierlichkeiten fanden im Alping statt. Bis heute hat sich Pingvellir seine Bedeutung bewahrt. Das wurde zuletzt deutlich am 17. Juni 1994 bei der50-Jahr-Feier zur Gründung der Republik.

 

 

 

 

 

 

Der Nebel hat sich gelichtet, und wir können das Unesco-Weltkulturerbe ungetrübt in Augenschein nehmen. Wir sind auf Schusters Rappen alles abgelaufen und haben uns mental um ein paar Jahrhunderte zurück versetzt. Das Gelände mit seinen schroffen Lavafeldern und Schluchten beeindruckt uns immer wieder auf’s Neue.

 

Das nächste Ziel ist der Geysir. Der „Große Geysir“ ist in den vergangenen Jahrhunderten nur unregelmäßig ausgebrochen, letztmalig nach einem Erdbeben imJahre 2000.  Danach stieß er ab und an nur eine große Dampfwolke aus. Heute hat er seine Tätigkeit fast ganz eingestellt. Dafür wird man vom „kleinen Bruder“, dem Strokkur, (Butterfass) entschädigt. Alle paar Minuten schießt das Wasser 10 – 20 m in die Höhe. Zuvor steigen große Dampfblasen auf, dann wölbt sich die Wasserfläche zu einer Art Glocke auf. Den Bruchteil einer Sekunde später schießt das Wasserexplosionsartig nach oben. Nach wenigen Sekunden ist das Schauspiel vorüber, und man wartet geduldig auf den nächsten Ausbruch.

 

 

 

 

 

 

 

Auch das angrenzende Geothermalfeld ist sehenswert. Es zischt und brodelt überall. Der Wasserdampf wabert wie Nebelschwaden und taucht das Gebiet in eine gespenstische Atmosphäre.

Unser Wohnmobil stellen wir auf dem nahe gelegenen Campingplatz ab.  Zur Feier des Tages wird gegrillt. Lammkoteletts und Folienkartoffeln stehen auf der Speisekarte. Wir können im Freien essen. Es ist immer noch sonnig und warm.

Unser Zeltnachbar ist ein Deutscher, der mit einem Liegerad Island bereist. Unser Angebot, ihm eine Kanne Tee zu kochen, nimmt er gerne an. Wir unterhalten uns noch lange über Gott und die Welt. Es wird zwar nicht dunkel, aber doch spät. Um Mitternacht ziehen wir uns zurück.
 

Samstag, 27.07.2013        Wetter:Sonne

Früh aufstehen, Teetrinken, Fahrt zum 10 km entfernten Wasserfall Gullfoss. Sinn und Zweck derAktion ist es, den Goldenen Wasserfall ohne Menschenauflauf zu erleben. Das gelingt uns auch. In absoluter Stille genießen wir das Tosen der Wasserfälle. Der obere Fall ist lediglich 11 m hoch, der untere 21 m.  Ein Wanderweg führt zu den schönsten Aussichtspunkten. Der Wind treibt die kalte Gischt zu uns hinüber. Sie stürztüber insgesamt 32 m in den Canyon des Flusses Hvita. Die Schlucht ist 70 m tiefund 2 km lang.  Von unserem Standort kannman nur einen kleinen Ausschnitt davon erkennen, aber schon dieser Anblick ist gigantisch. Wir lassen uns alle Zeit der Welt, machen viele Fotos  und erfreuen uns an den überwältigenden Eindrücken.

 

 

 

 

 

 

 

Irgendwann ist Frühstück angesagt. Gegen 09.00 Uhr treffen die ersten Besucher ein. Da sitze ich schon mit meinem Thermo-Becher Kaffee auf einer Ruhebank im Sonnenscheinund genieße die großartige Aussicht auf den Gullfoss. Fast hätte der Wasserfall im 20. Jahrhundert wirtschaftlichen Interessen weichen müssen. Verschiedene ausländischeFirmen wollten den Gullfoss kaufen und an seiner Stelle ein Kraftwerkerrichten. Dank des großen Engagements der Bäuerin Sigridur Tomasdottir konntedies verhindert werden. Am Wasserfall erinnert ein Relief dieser Kämpferin anihren Einsatz zum Erhalt des Gullfoss.

 

 

 

 

Wir beschließen, einen weiteren Tag im Golden Circle zu verbringen und kehren am Mittag zum Campingplatz Geysir zurück. Dort angekommen, stellen wir Tisch und Stühle raus und faulenzen in der Sonne.

Nachmittags kleiner Rundgang mit Besuch der Geysirstofa. Das ist ein Geo-Center mit Tourist-Information, Cafeteria, Souvenirshop und Informationszentrum. Hier gibt es eine Ausstellung über Vulkane, Erdbeben, Gletscher u.v.m. zu sehen. Eine Multimediashow über die Geologie Islands ist ebenfalls im Programm. Diese vielen Eindrücke wollen erst mal verdaut sein. Bei einem leckeren Eis au  der Tiefkühltruhe ist das kein Problem.

Am Abend schlendern wir nochmals durch das Geothermalgebiet und schauen den Ausbrüchen des Strokkur zu.  Ca. alle 10 Minuten schickt er eine Wasserfontäne in die Luft. Man wird es nicht leid, diesem immer wiederkehrenden Schauspiel zuzusehen. Es sind nur eine Handvoll Besucher vor Ort, die mit ihren Kameras in Lauerstellung liegen.

Rückkehr zum Wohnmobil, das ganz normale Abendprogramm absolvieren und gegen Mitternacht schlafen gehen.

 

 

 

 

 

Sonntag, 28.07.2013    Wetter: Wolken, Sonne, Regen

Wir machen das Wohnmobil startklar und fahren in einem Rutsch bis Hella. Das soll für 2 Tage unser Standort sein. Beim Erkundungsgang durch den Ort buchen wir im Supermarkt für den kommenden Tag eine Tour mit dem Bus nach Landmannalaugar in’s Hochland. Einfache Fahrt: 5.500ISK pro Person. Die reine Fahrzeit beträgt 6 Stunden, dazu kommen 2 ½ StundenAufenthalt. In dieser Zeit kann man eine kleine Wanderung unternehmen oder mitten in Gottes freier Natur in einem heißen Quellbach baden. Klingt gut. Wir wollen auf jeden Fall Badesachen mitnehmen.

 

Nachmittags werden wir beim Spaziergang vom Regenüberrascht. Wir flüchten in einen Souvenirshop im Handwerkerhaus. Dort entdecke ich u.a. schöne, handgestrickte Island-Pullover. Einer davon gehört ab heute mir. So kann es gehen. Man denkt an nix Böses, und schon ist man sein Geld los! Wir halten uns ca. 1 Stunde im Laden auf, doch es regnet ununterbrochen weiter.

Wir laufen durch den Regen zurück zum Campingplatz und trinken dort im Cafè einen Cappuccino. Danach machen wir es uns imWohnmobil gemütlich und warten darauf, dass der Regen endlich mal aufhört. Der Himmel tut uns den Gefallen, so dass einem Grillvergnügen nichts im Wege steht. Unser neuer Holzkohlegrill, den wir heute im Supermarkt gekauft haben, soll zünftig eingeweiht werden. Fisch, Kartoffeln und Gemüse stehen auf dem Speiseplan. Alles schmeckt hervorragend. Wir essen im Freien. Zwar ist es nicht besonders warm, aber ich trage meinen neuen Island-Pullover, darüber die Lederweste mit Lammfell und eine Wollmütze auf dem Kopf. Gestern sind wir noch im T -Shirt durch die Botanik gelaufen, und heute herrschen winterliche Temperaturen.

Abends regnet es wieder; die Umgebung sieht trostlos aus. Wir bleiben im Wohnmobil hocken und spielen zur Abwechslung mal eine Partie "Rummenigge".

 

 

 

 

 

 

 

Montag,29.07.2013    Wetter: Wolken, Regen, Sonne

 

Am frühen Morgen startet unsere Bustour in’s Landesinnere, nach Landmannalaugar (warmes Bad der Landmänner). Das ist kein Ort, sondern die Bezeichnung für ein Gebiet in der Nähe des ‚Vulkans Hekla. Dies ist der bekannteste und aktivsteVulkan Islands. Letzter Ausbruch: 2010. Meist liegt der Gipfel des 1491 m hohen Berges in den Wolken. Daher der Name Hekla (die Verhüllte).

Landmannalaugar liegt im breiten Tal eines Gletscherflusses. Lavafelder, soweit das Auge reicht. Der Weg ist das Hochland ist nur mit geländegängigen Fahrzeugen zu schaffen. Schmale, holprige Schotterpisten, die nur aus Schlaglöchern zubestehen scheinen, sowie einige Flussdurchquerungen bringen uns an’s Ziel. Durchdie Fenster unseres Spezialbusses sehen wir eine unglaublich schöne, an Farben und Formen reiche Landschaft, die von der Lava geprägt ist. In Sichtweite desVulkans Hekla legt der Busfahrer einen Fotostopp ein. Freie Sicht auf denGipfel; heute ist unser Glückstag. 

 

 

 

 

 

 

Um 13.00Uhr Ankunft am Zielort. Dort gibt es einen gut belegten Campingplatz (nur für Zelte), ein Info-Center, Sanitär- und Aufenthaltsräume für Wanderer und Camper sowie ein „Mountain-Cafè“, das Cafè Fjallafang. Diese urige Lokalität hat sich in alten, ausgedienten Bussen etabliert. Dort trinken wir einen "Bodensehkaffee“ und lassen uns in der Sonne nieder. Ein Rucksackvesper sorgt dafür, dass wir mit uns und der Welt im reinen sind.

 

 

 

 

 

 

Auf diversen Schautafeln werden Wanderungen angeboten. Sie sind jedoch für uns inder Kürze der Zeit nicht machbar. Stattdessen begeben wir uns zumBadeplatz.  Das weithin bekannte Bad der Landmänner ist nur ein knietiefes, natürliches Becken mit Kiesboden. Schwimmen ist deshalb nicht möglich, einfach nur hineinlegen und genießen. Das warmeWasser entsteht durch die Mischung von einem 70 Grad heißen Quellfluss, der ausder Lava fließt, mit einem kalten Gletscherfluss. Es tummeln sich einige Badegäste in der Suhle. Die vielen Besucher gefährden jedoch zunehmend dassensible Öko-System. Wahrscheinlich muss man das Badevergnügen künftig einschränken.

 

 

 

 

 

Die Zeit vergeht wie im Flug, und schon naht dieRückfahrt. Oh Schreck, unser Bus ist schon weg!!! Macht aber nix. Wir werden ineinen anderen Bus verfrachtet, der über Hella nach Reykjavik fährt. Auch gut.Ohne Pause rumpelt das Fahrzeug über die holperige Schotterpiste.

 

...und nu?

 

 

Wir sind vorbei gekommen! Einer ein bischen links raund und der andere rechts runter. Tolle Schräglage für Bus und "Of Road" LKW.

 

Nach gut 2 Stunden sind wir am Ziel. Kurzer Stopp im Supermarkt. Einkauf für’s abendliche Grillen. Danach geht es auf kürzestem Wege zum Campingplatz. Tisch und Stühle werden aufgestellt, der Grill angeworfen, und schon ist das Essen fertig. Wir können unsere Mahlzeit im Freien verzehren. Doch bald darauf regnet es in Strömen, und wir müssen zusammenpacken. Egal – wir hatten jedenfalls einen wunderschönen Tag.

Ein weiteres schönes Erlebnis soll ein Besuch der Westmänner-Inseln werden. Wenn das Wetter mitspielt, werden wir das morgen oder übermorgen in Angriff nehmen.

 

 

Dienstag, 30.07.2013   Wetter: Regen, Nebel, Sonne

Abfahrt vom Campingplatz Hella um 08.30 Uhr. Kurze Zeit später tauchen wir in eine Nebelsuppe ein. Man sieht die Hand vor Augen nicht. Das kann ja heiter werden. Wir sind auf dem Weg nach Landeyjahöfn. Von dort geht die Fähre nach Westmannaeyjar (Westmännerinseln) zur Insel Heimaey, der Hauptinsel der Westmänner-Inseln. 10 km vor dem Hafen nehmen wir einen Passagier auf. Es handelt sich um einen französischen Rucksacktouristen, von Beruf Wissenschaftler. Er spricht ziemlich gut deutsch, denn er hat 1 ½ Jahre am Max-Planck-Institut in Stuttgart gearbeitet. Sein Name ist Serge. Er hat das gleiche Ziel wie wir und kann uns einige Tipps geben, weil er schon mal dort war.

Als wir den Fährhafen erreichen, steht die Fährebereit und eine Autoschlange wartet darauf, an Bord fahren zu dürfen. Wir setzen Serge ab und machen uns auch schnell fertig. Das Wohnmobil bleibt auf dem Parkplatz stehen.

 

 

 

 

 

 

Um 10.00 Uhr legt das Schiff ab. Es ist immernoch total neblig. Die Überfahrt dauert 1 Stunde. Urplötzlich tauchen gewaltigeFelsklötze aus der Nebelsuppe auf, die die Hafeneinfahrt markieren. Alle Mannan Land. Die Erkundung von Heimaey kann beginnen. Dafür bleiben uns 6 ½ StundenZeit. Berühmt und bekannt wurde Heimaey in aller Welt durch einen starkenVulkanausbruch im Jahre 1973. Der Vulkan Helgafjell war sage und schreibe 5.000Jahre nicht aktiv gewesen. Urplötzlich tat sich die Erde auf und aus einer ca.2 km langen Spalte stürzten gewaltige Lavamassen auf den Ort Heimaey zu. EinDrittel aller Häuser, ca. 400, wurde unter einer meterdicken Ascheschichtbegraben.

 

 

 

 

 

 

 

Alle Einwohner der Insel konnten jedoch gerettet undauf’s Festland evakuiert werden. Nur ein paar Freiwillige blieben zurück. Siehaben in einem unglaublich harten Kampf den Hafen, die Lebensader derInselbewohner, vor dem Lavastrom retten können. Mit Hilfe von Wasser, das ausdem Meer gepumpt wurde, konnte die Lava abgekühlt und zum Stillstand gebrachtwerden. Die aufgetürmte, erstarrte Lava sieht man nicht nur in der Nähe desHafens, sondern auf der ganzen Insel.

Wir haben mit einem Rundgang im Hafen begonnen, dievon Ruß geschwärzte Holzkirche angeschaut, deren Innenteil renoviert wurde.Danach sind wir hügelauf, hügelab durch die Lavafelder gelaufen, vorüber amVulkankegel Eldfell (Feuerberg), der zusammen mit Helgafell 1973 aktiv wurde. Mehrals fünf Monate hat dieses Naturschauspiel gedauert. Viele Häuser konnten nachdieser Katastrophe wieder freigeschaufelt werden. Einige jedoch bleiben fürimmer unter einer 100 m dicken Lavaschicht begraben.

 

 

 

 

 

Nachdem wir uns das ganze Areal angeschaut haben, laufen wir in den Ort. Zuerst besuchen wir die zweitälteste Steinkirche aus dem Jahre 1778. Leider sind ihre Türen verschlossen. So wenden wir unsere Aufmerksamkeit dem Denkmal für ertrunkene Fischer zu, das nah beim Eingang zur Kirche steht. Nun gehen wir über den angrenzenden Friedhof, wo alte und neue Gräber dicht beieinander liegen.

 

 

 

 

 

 

 

Die Sonne hat den Nebel längst vertrieben, undso lassen wir uns gern in einem Straßencafè nieder. Bei Kaffee und Kuchenerholen wir uns von der Latscherei durch die Lavafelder. Um 17.00 Uhr strömendie Menschen aus allen Winkeln zum Hafen. 17.30 Uhr legt die Fähre ab.

 

 

 

Diesmal haben wir freie Sicht. In 45 Minuten sind wir wieder auf dem „Festland“.

Jetzt geht’s in flotter Fahrt bis Vik im Myrdal. Kurzer Abstecher zum Wasserfall Skogafoss., der von der Ringstraße aus zu sehen ist. Er ist 60 m hoch, 25 m breit und gilt als einer der schönsten WasserfälleIslands. Dem stimmen wir zu. Eine Sage berichtet, dass der Landnehmer Prasieinst eine Goldkiste in einer Höhle hinter dem Wasserfall versteckt hat. DasGold wurde bis heute nicht gefunden. Ehrlich gesagt, wir haben auch nichtdanach gesucht.

 

 

 

 

In Vik, am Tagesziel, angekommen, fahren wir zum Campingplatz und richten uns dort häuslich ein. Kleines Abendessen, Spaziergang, Eye-Shopping, dann ist der Tag gelaufen.

 

 

Mittwoch,31.07.2013 Wetter: Wolken/Nebel

Vik im Myrdal, die „Bucht im Moortal“, ist das südlichste Dorf des isländischenFestlands. Der Fischfang spielt hier keine Rolle. Haupterwerbszweig sind Handel, Dienstleistungen und Landwirtschaft. Das Dorf liegt in einer landschaftlich reizvollen Gegend am Rand des Myrdalsjökull. Am Vormittag kleineWanderung zum Strand, der aus schwarzem Sand besteht. Obwohl kein Badestrand, zählt er durch seine Lage vor der Bucht Dyrholaos und dem Gletscher zu den schönsten Europas.

DasWahrzeichen von Vik sind 3 spitze Felsnadeln, die sich bis zu 66 m Höhe direkt vor der Küste erheben. Laut einer Sage handelt es sich hierbei um versteinerteTrolle. Diese 3 Gesellen wollten einst ein gestrandetes Schiff bergen und haben dabei nicht auf die Zeit geachtet. Bei Sonnenaufgang waren sie immer noch damit beschäftigt, Beutestücke an Land zu tragen. Das konnte nicht gutgehen, dennTrolle vertragen kein Tageslicht, und prompt wurden sie in Stein verwandelt.

 

 

 

 

 

Dass das Meer vor Vik seine Tücken hat, sieht man auch an dem Denkmal für deutsche Seeleute, die in isländischen Gewässern ihr Leben verloren haben. Der 6 ½Tonnen schwere Granitstein und die ihn umgebenden 10 kleineren Basaltsteineerinnern an die isländischen Seeleute, die versucht hatten, die in Seenot geratenen Fischer zu retten.

Wir verlassen den Strand und nehmen den Hausberg auf’s Korn, den 250 m hohen Reynisfjall. Von dort hat man eine großartige Aussicht. Man hätte, wenn nicht dichter Nebel uns in die Suppe gespuckt hätte. So sitzen wir oben auf derKlippe und sehen nichts!

 Abstieg, Mittagessen, Siesta. Kaffee und Kuchen wecken die Lebensgeister wieder auf. Danach machen wir einen Gang durch’s Dorf. Vik ist ein kleiner Ort mit nur 300 Einwohnern. Wir kaufenVorräte im Supermarkt ein und verstauen die Lebensmittel im Wohnmobil. Anschließend spazieren wir zur Kirche, die auf einem Hügel über der Ortschaftthront.

Ausklang des Tages mit den üblichen Beschäftigungen.

 

 

 

Donnerstag,01.08.2013         Wetter: Sonne satt

Einstrahlender Sommertag erwartet uns. Wie soll unser Programm weitergehen? Wir beschließen,nochmals den Reynisfjall zu besteigen. Gesagt, getan. Um 08.30 Uhr starten wirdas Unternehmen Hausberg. Nach einer knappen Stunde sind wir auf dem Plateauangelangt, von wo man heute tatsächlich eine wunderschöne Aussicht genießenkann. Auch die 3 Trolle zeigen sich von ihrer besten Seite im Sonnenlicht.

 

 

 

 

 

 

 

Wir wandern entlang der Steilküste und können aus luftiger Höhe einen Blick auf Kap Dyrholaey, den südlichsten Punkt Islands, werfen. Den 120 m hohen„ Türlochfelsen“ kann man aus großer Entfernung sehen. Charakteristisches Kennzeichen ist das Brandungsloch des Felsens, das so groß ist, dass man sogar mit dem Boot durchfahren kann. Der Felsen im Meer ist vor rund 80.000 Jahren durch einen Vulkanausbruch unter Wasser entstanden.

Nachdem wir uns satt gesehen haben, machen wir uns auf den Rückweg. Von nun an geht’sber gab. Um 12.00 Uhr sind wir wieder auf dem Campingplatz. Nun sind Sonnen und Relaxen vor dem Womo angesagt.

Gegen14.00 Uhr fahren wir weiter nach Skaftafell. Die Landschaft wird geprägt durch den mächtigen Vatnajökull, seine Gletscherzungen und die umliegenden Berge mit Höhen von 1.000 – 1.500 m. Der Nationalpark Skaftafell wurde 1967 gegründet und1984 auf 1.600 km² erweitert. Heute gehört er zum Vatnajökull- Nationalpark. Wir quartieren uns auf dem örtlichen Campingplatz ein. Der hat riesige Ausmaße, dient er doch als Anlaufstelle für Wanderungen im Gletschergebiet. Eine Bushaltestelle und sogar eine Tankstelle gehören auch zu der Anlage. Vor der Einfahrt zum Campinggelände steht ein Informations- und Besucherzentrum, die Skaftafellsstofa. Darin befindet sich unter anderem die Rezeption, ein Souvenir-und Buchshop, eine Cafeteria, eine Ausstellung von Fundstücken  verschollener Gletscherbegeher  u.v.m. Man kann auch Videovorführungen über den Vulkanausbruch von 1996 und den gewaltigen Gletscherlauf sehen.

Wir melden uns an, schauen uns ein wenig um und beschließen, eine kleine Wanderung zu machen. Da bietet sich der nah gelegene Skaftafellsjökull an. Wir wandern bis an den Fuß des Gletschers, wo seine Gletscherzungen in einen kleinen Seeauslaufen.

 

 

 

 

 

Bei diesem Trip von ca. 2 Stunden haben wir immer wieder großartige Ausblicke auf schneebedeckte Berge, die von der Sonne angestrahlt werden.

Wieder beim Wohnmobil angekommen, erholen wir uns von den Strapazen des Tages. Der Körpersehnt sich nach Ruhe, und die gönnen wir ihm.

 

 

Freitag,02.08.2013     Wetter: Sonne

Vormittagswanderung zum Svartifoss, dem „schwarzen“ Wasserfall. Der Wanderpfad beginnt direkt am Campingsplatz. Er ist sehr schmal, steinig, zum Teil unterbrochen von hölzernen Treppenstufen. Lohnende Ausblicke auf den Skaftafellsjökull entschädigen uns für den schweißtreibenden Fußmarsch. Beim Svartifoss angekommen, schauen wir zu, wie das Wasser in die Tiefe schießt und bestaunen die Basaltsäulen, die den Wasserfall umgeben. Aus der Ferne sehen sie aus wie Orgelpfeifen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Skaftafell ist ein ideales Wandergebiet, und es gibt jede Menge Tourenvorschläge. Doch uns reicht der 3-stündige Marsch heute. Die Füße sind platt, zumal der beste aller Ehemänner seit gestern keine Wanderschuhe mehr besitzt. Sie haben bei der Besteigung des Reynisfjall den Geist aufgegeben, bzw. ihre Sohlen verloren. Das ist bitter! Aber damit müssen wir leben. Relaxen vor dem Wohnmobil in der Mittagssonne hat auch seinen Reiz.

Gegen 14.00 Uhr brechen wir die Zelte ab und ziehen weiter zum Gletschersee Jökulsarlon. Von der Ringstraße aus ist ein wunderschönes Naturschauspiel zu sehen.

 

 

 

 

Auf dem See schwimmen große Eisbrocken, die langsam auf Islands kürzestem Fluß, dem Jökulsa, in’s Meer treiben. Das wollen wir uns aus der Nähe anschauen. Parkmöglichkeiten sind vorhanden, aber es herrscht Hochbetrieb am Jökulsarlon. Touristen aus aller Herren Länder laufenam Ufer entlang und bestaunen – genau wie wir – die gewaltigen Eisberge, die auf dem Wasser treiben. Amphibienfahrzeuge fahren in regelmäßigen Abständen dicht an die Eisberge heran; ein Highlight für die vielen Fotografen.

 

Wir warten bis zum Abend, um dem Gedränge aus dem Weg zu gehen und buchen die letzte Tour des Tages. Uns  erwartet ein großartiges Erlebnis ohne jeden Rummel. Der kalbende Gletscher und die haushohen weiß-blau schimmernden Eisbrocken auf dem See strahlen eine Kälte aus, dass man sich fühlt wie im tiefsten Winter. Wir haben uns entsprechend angezogen. Skiunterwäsche, gefütterter Anorak und Wollmütze sind gefragt. Nach ca. 45 Minuten ist der Spaß vorbei Der Parkplatz ist so gut wie leer.

 

 

 

 

 

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